Guy de Maupassant

„Aber wissen wir, wer die Weisen und wer die Narren sind, in diesem Leben, in dem Vernunft oft als Torheit und Wahnsinn oft als Genie bezeichnet werden sollte?“ Was, wenn die Schriftsteller ganz allgemein die wirklich großen Narren wären? Diese Frage quälte Guy de Maupassant (1850-1893) ständig. Er war zu Lebzeiten der gefeierte Autor eines kolossalen Werkes der Belletristik: sechs Romane - darunter „Une Vie“ (dt. „Ein Menschenleben“) 1883 und „Bel-Ami“ 1885 - und fast tausend Erzählungen und Kurzgeschichten, die in den damaligen Literaturzeitschriften veröffentlicht und in Novellensammlungen wie den „Contes de la bécasse“ (dt. Märchen der Schnepfe) 1883 oder „Le Horla“ (dt. „Der Horla“) 1887 zusammengestellt wurden.

  • Le Horla

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Sein wirklicher und vollständiger Name war Henri René Albert Guy de Maupassant. Er wurde im August 1850 im Château de Miromesnil in Tourville-sur-Arques, in der Normandie, geboren und starb in Paris kurz vor seinem 43. Geburtstag. Guy de Maupassant wurde in einem Jahrhundert geboren, das in der Literatur besonders schöpferisch war, vor allem in den 1850er und 1860er Jahren. Victor Hugo veröffentlichte 1831 „Notre-Dame de Paris“, erregte im Theater mit „Ruy Blas“ und „Hernani“ großes Aufsehen und bereitete „Les Misérables“ (dt. „Die Elenden“, 1862) vor. Gustave Flaubert hatte 1851 gerade begonnen, „Madame Bovary“ zu schreiben. Baudelaire widmete sich seinen „Blumen des Bösen“, während Théophile Gautier in seinen „Roman de la momie“ (dt. „Der Roman der Mumie“) vertieft war. Einschüchternd, oder im Gegenteil mitreißend? Guy de Maupassants Mutter hatte ihn ständig ermutigt den Literaturweg einzuschlagen, und Flaubert, ein Freund von ihr, wird sogar der Mentor von Maupassant. Guy de Maupassant wächst in der Nähe von Le Havre auf, in Etretat, in der Normandie, und geht in Rouen zur Schule. Nach dem Abitur 1869 beschließt er, in Paris Jura zu studieren. Doch der Krieg zwischen dem französischen Kaiserreich und dem Königreich Preußen bricht aus (vom 19. Juli 1870 bis zum 28. Januar 1871), und der junge Mann meldet sich als Kriegsfreiwilliger. Nach seiner Rückkehr lässt er sich dauerhaft in Paris nieder und beginnt, dank Flauberts Hilfe, als Angestellter im Marineministerium und dann im Ministerium für öffentliche Ausbildung zu arbeiten.


1875 veröffentlichte er schließlich seine erste Erzählung, „La Main écorchée“ (dt. „Die Totenhand“), unter dem Pseudonym Joseph Prunier in der Zeitung „L'Almanach lorrain“. Diese Publikation, gefolgt von vielen anderen, ist der Beginn einer ergiebigen literarischen Karriere, inmitten eines ausschweifenden Lebens, das dazu führte, dass sich Maupassant mit der Syphilis ansteckte. Er begann, die Pariser Intellektuellen- und Künstlerkreise zu besuchen - Emile Zola, die Brüder Goncourt, José-Maria de Heredia, Stéphane Mallarmé... 1880 beteiligte er sich mit seiner ersten Kurzgeschichte "Boule de suif" (dt. „Fettklößchen“) an der kollektiven Kurzgeschichtensammlung der naturalistischen Schriftsteller „Les Soirées de Médan“ (dt. die Abende von Médan). Es ist ein bemerkenswerter Text, von dem Flaubert spürte, dass er Teil der Literaturgeschichte werden würde.


Das Jahrzehnt 1880-1890 wird das schöpferischste von Guy de Maupassants kurzer Karriere sein. „Bel-Ami“ war ein riesiger Erfolg. Der Autor verdient gut und reist, sein Können im Verfassen von Kurzgeschichten setzt sich durch. Jedoch beeinträchtigen Krankheit, Einsamkeit und Paranoia allmählich sein Leben. Sein jüngerer Bruder Hervé stirbt 1889 in einem Asyl an den Folgen des Wahnsinns. Guy de Maupassant hört auf zu schreiben, macht 1892 einen Selbstmordversuch und wird in eine Klinik in Paris eingewiesen. Er stirbt dort am 6. Juli 1893 und wird auf dem Friedhof von Montparnasse beigesetzt. 1897 wurde von Raoul Verlet ein Denkmal zu seinem Gedenken im Parc Monceau errichtet: eine Säule mit seiner Büste, an deren Fuß eine halb liegende Frau nach der Lektüre eines Buches zu träumen scheint.


 

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